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    Eisen schärft Eisen

    Wahre Freundschaft überwindet Gräben.

    von Johann H. Huleatt

    Dienstag, 1. April 2025

    Verfügbare Sprachen: English

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    “It’s a new day, in the morning,
    and it’s all we’ve ever wanted,
    and we might not have it now,
    but I can see that change is coming.
    We’re better together.”

    —Lathan Warlick, “Better Together”

    Der text von lalthan warlick’s Wahlkampfhymne „Better Together“, wirft eine entscheidende Frage auf: Wissen wir noch, wie man Freundschaften lebt, die im Stande sind jene Streitpunkte zu überwinden, die in jedem Wahlkampf geschickt wieder aufgewärmt werden? Wahlkampagnen mögen unsere Aufmerksamkeit erregen. Sie helfen uns jedoch nicht ein gutes Leben zu führen.

    Die politische Entzweiung untergräbt die von Gott gewollte Ordnung der Zivilgesellschaft. Wenn wir einander hassen und misstrauen und daher der Regierung, die aus unserem demokratischen Prozess hervorgeht, nur bedingt vertrauen, wie können wir dann die Aufforderung aus Römer 13 befolgen, die Behörden zu respektieren? Gibt es eine Nation, die immun gegen die zerstörerischen Ressentiments ist, die wir gegeneinander hegen? „Nimmt man jedoch die Bande der Zuneigung aus der Welt“, warnt Cicero in Über die Freundschaft, „kann keine Hausgemeinschaft, keine Stadtgemeinde mehr bestehen, nicht einmal die Feldbestellung kann weitergehen.“

    Bird's eye view

    Caren Canier, Three Friends, Öl auf Leinwand, 1978. Alle Bilder von Caren Canier. Verwendet mit Genehmigung.

    Wir Bürger der USA haben in den letzten zehn Jahren eine ganze Reihe von Stürmen überstanden, von einer Pandemie bis hin zu Hurrikans. Solche gemeinsamen Erfahrungen sollten Reserven des guten Willens und des Vertrauens gebildet haben, um unsere Gesellschaft in eine solidarische Zukunft zu führen.

    Aber etwas ging schief. Cicero klingt verblüffend aktuell: „Die Art, wie unsere Vorfahren den Staat verwalteten, ist ja schon ein ganzes Stück von ihrem Platz und ihrer Bahn abgekommen.“ Was ist seiner Meinung nach das Hauptproblem? Was hat diese Abweichung von der guten Praxis der Bürger der alten Republik und ihr Abgleiten in die Tyrannei und Richtung Kaiserreich ermöglicht? Die Antwort klingt so vertraut: „Ich sehe schon das Volk vom Senat getrennt und die wichtigsten Entscheidungen nach dem Gutdünken der Masse getroffen.“

    Laut Cicero sind es vor allem die Freundschaft weiser und tugendhafter Bürger, die einen Staat erhalten. Betrachtet man das Leben und die Freundschaften der guten Bürger der früheren Republik, „kann uns also nicht einmal der Verdacht kommen, einer dieser Männer habe von seinem Freund etwas verlangt, was gegen Treu und Glauben, gegen ihren Eid oder gegen das Staatswohl gewesen wäre. Das soll uns also als unverbrüchliches Gesetz in der Freundschaft gelten, dass wir etwas Unehrenhaftes weder erbitten noch es auf Bitten hin tun.“ Um die Republik zu erhalten, müssen wir zuerst unsere Freundschaften reparieren; um unsere Freundschaften zu reparieren, müssen wir tugendhafte Bürger werden.

    Ohne Tugend, sagt Cicero, kann man zwar Beziehungen pflegen, aber keine echten Freundschaften. Cicero geht sogar so weit zu behaupten „dass Freundschaft nur zwischen Gutgesinnten bestehen kann“. Er lobt das, was er „natürliche Freundschaften“ nennt, die vertrauten Beziehungen, die uns so leicht fallen: „Daher gelten uns Mitbürger mehr als Auswärtige, Verwandte mehr als Fremde. Denn zwischen Verwandten hat schon die Natur von sich aus ein freundschaftliches Verhältnis geschaffen.“

    Aber dieses einfache Verhältnis geht, wie er sagt, „in seiner Stabilität weniger weit“. Diese natürlichen Freundschaften sollten besser „Beziehungen“ genannt werden und, so sagt er, „Darin übertrifft die Freundschaft das . . . Verhältnis: Bei der Verwandtschaft kann die gegenseitige Zuneigung fehlen, bei der Freundschaft aber nicht.“ Mit anderen Worten: Wenn ich kein guter Mensch bin und nicht das wahre Gute für meine Verwandten oder Landsleute will, kann ich mit ihnen auskommen, aber nicht wirklich ihr Freund sein, noch kann die nahezu göttliche Kraft der staatserhaltenden Freundschaft aus solchen kompromittierten Beziehungen fließen.

    „Ein Mann mit vielen Bekannten kann scheitern“, könnte man fast Cicero sagen hören, “ein guter Freund ist anhänglicher als ein Bruder“ (Spr 18,24).

    Aristoteles stimmt dem zu. Er unterscheidet bekanntlich drei Arten von Freundschaft: jene, die auf Vergnügen, auf Nutzen und auf Charakter basieren. Freunde des Vergnügens gehen etwa zusammen angeln oder golfen; Freunde des Nutzens helfen einander geschäftlich; Freunde des guten Charakters jedoch, lieben das Gute im anderen, teilen ihre Freuden und Sorgen und werden von einem echten Interesse an der Seele des anderen angetrieben.
    Two people sitting at table

    Caren Canier, Two Women Having a Conversation, Öl auf Leinwand, 1975.

    Cicero spricht von Freundschaft mit Ehrfurcht: „Es ist nämlich die Freundschaft nichts anderes als Übereinstimmung in allen göttlichen und menschlichen Dingen, verbunden mit Sympathie und Liebe. Im Vergleich zu ihr ist den Menschen wohl – die Weisheit einmal ausgenommen – nichts besseres von den unsterblichen Göttern geschenkt worden.“ Dies mag übertrieben klingen. Aber Christus spricht in ähnlicher Weise: „Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde“ (Joh 15,13).

    Die Freundschaft eines weisen und guten Menschen, die für Cicero der größte Schatz ist, wird uns in Jesus angeboten, der uns durch seine Freundschaft zu Menschen formt, die ihm und einander diese Freundschaft zurückgeben können.

    Auch Thomas von Aquin greift dieses Thema auf. Vorsichtig, denn er will die Einzigartigkeit der Abhängigkeit bewahren, die jeder von uns allein von Gott hat: Wir brauchen andere nicht so, wie wir Gott brauchen. Dennoch betont er: „Wenn wir von dem Glück des diesseitigen Lebens sprechen, damit der Mensch Wohlstand erlangen kann, sei es in den Werken des aktiven Lebens oder in denen des kontemplativen Lebens, dann braucht er die Gemeinschaft der Freunde.“

    Aquin betont den selbstlosen Aspekt dieser Tugend, indem er darauf hinweist, dass man die universale Liebe (Agape) nur erreichen kann, wenn man zuerst die partielle Liebe (Philia) erlebt. Aber er will mehr als das sagen und orientiert sich dabei an Augustinus: „Die Gemeinschaft der Freunde trägt zum Wohlbefinden bei. Daher sagt Augustinus, dass „die geistigen Wesen keine andere innere Hilfe zur Glückseligkeit erhalten als die Ewigkeit, Wahrheit und Liebe des Schöpfers. Wenn ihnen von außen geholfen werden kann, dann vielleicht nur dadurch, dass sie einander sehen und sich in Gott an ihrer Gemeinschaft erfreuen.“

    An anderer Stelle in der Summa Theologica ringt Thomas von Aquin mit der Frage, wie wir überhaupt Freundschaft mit Feinden und Sündern haben können. Wir können sicherlich ihr Wohl begehren. Aber können wir sie wirklich lieben? In seiner Antwort merkt er an, wie unsere Liebe zu unseren Freunden sich auch auf jene erstreckt, die sie selbst lieben. Da also alle Menschen von Gott geliebt werden, können wir jeden in wahrer Freundschaft lieben, so wie wir einander in Christus lieben.

    Augustinus, der gründlichste christliche Philosoph der Freundschaft, stützt sich auf Ciceros Definition von Freundschaft und fügt Christus hinzu. Wahre christliche Freundschaft ist ein Ausdruck dafür, dass wir durch unsere Verbindung mit Christus als Freunde miteinander verbunden sind. Wahre christliche Freundschaft ist ein Ausdruck der Einheit miteinander als Freunde durch unsere Vereinigung mit Christus. Letztlich ist die Freundschaft, die am meisten zählt, unsere Freundschaft mit Gott. In einer Predigt scheint Augustinus von dieser Einsicht und der damit verbundenen Freude geradezu zu überfließen:

    Lasst uns lieben, lasst uns frei und umsonst lieben. Es ist Gott, den wir lieben, als den wir nichts Besseres finden können. Lasst uns ihn um seiner selbst willen lieben und uns selbst und einander in ihm, aber dennoch um seines Willen. Du liebst deinen Freund nur wahrhaft, wenn du Gott in deinem Freund liebst, sei es, weil er in ihm ist, oder damit er in ihm sei. (Predigt 336.2)

    Es ist das Köstliche, das Überwältigende der Freundschaft, das Augustinus hervorhebt. Wir brauchen Freunde – aber wir brauchen nichts von ihnen, das außerhalb ihrer ist. Wir brauchen sie selbst: „Ein Freund muss um seiner selbst willen geliebt werden, um nichts anderes willen. Wenn die Regel der Freundschaft dir gebietet, Menschen frei um ihrer selbst willen zu lieben, wie viel mehr soll Gott frei geliebt werden, von dem das Gebot kommt, andere Menschen zu lieben! Es kann nichts Erfreulicheres geben als Gott.“ (Predigt 385,4).

    Am 10. oktober 2024 starb eine enge Freundin meiner Familie, Nina Postupack, nach einem zweijährigen Kampf an Krebs. Sie und ihr Mann, ein älteres katholisches Ehepaar, waren seit mehr als einem Jahrzehnt eine Quelle der Ermutigung und Freude für uns.

    Four people sitting around a table

    Caren Canier, Socially Distanced, Öl auf Holz, 2021.

    Bei Ninas Beerdigung war die Flut an Dankbarkeit und Liebe bemerkenswert. Sie war die erste weibliche Bezirksleiterin in Ulster County. Die Ansprachen von beiden Seiten des politischen Spektrums zeugten von dem Charakter einer Person, die diesem Amt Anmut und Würde verliehen hatte. Der republikanische Kongressabgeordnete Marc Molinaro erinnerte an die Art und Weise, wie Nina sich für die Gemeinschaft einsetzte und für unzählige Menschen ein freundliches und hilfsbereites Gesicht der Regierung war. „Ihr Vermächtnis“, so Molinaro, „ist ein Vermächtnis der Hingabe, der Leidenschaft und des unerschütterlichen Dienstes“. Der demokratische Kongressabgeordnete Pat Ryan fügte hinzu: „Ulster County verlor heute eine wahre Staatsdienerin. Nina Postupack war einer der besten Menschen, die ich kennenlernen und mit denen ich zusammenarbeiten durfte. Sie widmete ihr Leben der Aufgabe, die Verwaltung menschenfreundlicher zu machen. Nina hatte immer ein Lächeln auf den Lippen und war stets darauf bedacht, anderen Menschen zu helfen und deren Leben zu erleichtern.“

    Es ist Teil des Erbes, das uns das Christentum von den alten Griechen und Römern überliefert, dass diese Frau die bürgerliche Tugend, die öffentliche Freundschaft und die Großherzigkeit verkörpern konnte, die Cicero auf die größten Männer Roms beschränkt hatte. Sie war auf ihre stille Art eine wahre Staatsdienerin.

    „Was vermag uns zu trösten in den menschlichen Beziehungen voller Fehler und Mühsal außer Treue und gegenseitige Zuneigung unter wirklich guten Freunden?“ Das ist wieder Augustinus, in Vom Gottesstaat. So war Nina, für unsere Familie. Das ist die Art von Freundschaft und Dienst, inspiriert vom Heiligen Geist, die das zerrissene zivile Gewebe auch heute zusammenhalten wird. Vielleicht können unsere Unterschiedlichkeiten ihre eigenen Gaben hervorbringen. „Eisen wird an Eisen geschliffen, so schleift einer den Charakter des anderen“, heißt es in den Sprichwörtern.

    „Ich nenne euch nicht mehr Knechte“, sagt unser Herr, „denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut; sondern ich habe euch Freunde genannt; denn alles, was ich von meinem Vater gehört habe, habe ich euch kundgetan“ (Joh 15,15). Mit Christus befreundet zu sein ist Teil der Nachfolge. Und wenn wir mit ihm befreundet sind, können wir sogar unsere Feinde und unsere Gegner lieben, weil er sie liebt.

    Gemeinsam als Freunde im Guten und insbesondere als Freunde in Christus können die Spaltungen, die unser Land erschüttert haben, überwunden werden. Es ist das Erlernen dieser Freundschaft, das eine neue Ära herbeiführen wird, beginnend in unseren Häusern, unseren Familien, unseren Gemeinschaften, und sich von dort aus im ganzen Land und der Welt verbreiten wird.

    Von Johann Huleatt Johann H. Huleatt

    Johann H. Huleatt ist Direktor für Öffentlichkeitsarbeit der Bruderhof-Gemeinschaft. Er lebt im Woodcrest-Bruderhof in New York.

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