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    Dienst am Nächsten

    Eine Pastorin tritt der freiwilligen Feuerwehr bei.

    von Brit Frazier

    Dienstag, 1. April 2025

    Verfügbare Sprachen: English

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    An einem herbstabend steht ein Ausbilder des Northeast Wisconsin Technical College im Mehrzweckraum der Feuerwache unseres Dorfes, Sister Bay, Wisconsin. „Verbrennungen dritten Grades überlebt man wahrscheinlich“, sinniert er. „Vielleicht auch einen Sturz. Aber Ersticken nicht. Im Falle eines Flashovers können Sie versuchen, aus dem Fenster zu springen. Sterben könnten Sie trotzdem.“ Er hält inne und sieht jeden von uns an. „Etwas zum Nachdenken.“ Als Flashover bezeichnet man „eine Phase in der Entwicklung eines Brandes, in der die Oberflächen mehr oder weniger gleichzeitig die Zündtemperatur erreichen“. Danach sprechen wir hauptsächlich darüber, wie man es vermeidet zu sterben. 

    Nach der Hälfte unserer vorgeschriebenen 60-stündigen Ausbildung für die freiwillige Feuerwehr hatten wir einiges zum Nachdenken. Meine Klasse von 15 Freiwilligen besteht größtenteils aus Einheimischen. Einige Arbeiter, ein Maurer, ein Maler, ein Elektriker, ein Bauer. Ich, die einzige Frau, Pastorin der örtlichen Episkopalkirche, bin mit meinen 35 Jahren etwa 15 Jahre älter als der Rest.

    Das National Volunteer Fire Council bestätigt, dass von der Million Feuerwehrleuten in den Vereinigten Staaten mehr als 65 Prozent in Feuerwachen arbeiten, die ausschließlich mit Freiwilligen besetzt sind. Die Bezeichnung „Freiwillige“ ist nicht immer eindeutig. Oft werden wir bezahlt, pro Einsatz oder stundenweise. Verschiedene Dienststellen stellen verschiedene Anforderungen an die Verfügbarkeit. Freiwillige Feuerwehrleute werden nach staatlichen Vorgaben und den Richtlinien der National Fire Protection Association ausgebildet. Dieses Ausbildungsniveau entspricht dem von hauptamtlichen Feuerwehrleuten. In den letzten Jahren gab es viele Berichte über den Personalmangel bei der Berufsfeuerwehr wie auch bei den Freiwilligen. Immer weniger sind in der Lage, ihre Arbeit zu unterbrechen, und auf einen Notruf als Freiwilliger zu reagieren. Die meisten Familien bedürfen außerdem zweier Gehälter, um über die Runden zu kommen. Da bleibt kaum Zeit für eine halb-ehrenamtliche Betätigung. Wenn also ein Notruf eingeht, gibt es nicht mehr so viele geschulte Personen, die alles stehen und liegen lassen um zu Hilfe zu eilen.

    Firefighters in front of truck

    Die Autorin (zweite von rechts) mit anderen freiwilligen Feuerwehrleuten. Alle Fotos zur Verfügung gestellt von der Autorin.

    Alles begann vor etwa einem Jahr, als ich die Feuerwache aufsuchte, um mich über einen Auffrischungskurs für mein längst abgelaufenes Erstehilfe-Zertifikat zu informieren. Ein Beamter bat mich herein.

    „Sie wollen also einen Erstehilfe-Kurs machen?“

    „Ja.“

    „Sind Sie bei guter Gesundheit?“

    „Ich denke schon?“

    „Können Sie 30 Kilo heben?“

    „Ja“, antwortete ich.

    „Möchten Sie Feuerwehrfrau werden?“

    Plötzlich tauchte ein Bild in meinem Kopf auf, vollständig ausgeformt und lebendig, mit einem klaren Bewusstsein für die Dringlichkeit und das Ziel. Auf einmal schien es die natürlichste Sache der Welt zu sein. Natürlich wollte ich Feuerwehrfrau werden. Ich war bereit, sofort damit anzufangen.

    An jenem ersten Tag nahm der Feuerwehrchef mein Telefon und gab die erforderlichen Anmeldedaten der App ein, über welche die eingehenden Notrufe weitergeleitet werden. „Wenn ein Notruf eingeht, kommen Sie einfach auf die Wache“, sagte er mir. Ich dachte erst, dass er mir nicht zugehört hatte, als ich erklärte, dass ich keinerlei einschlägige Erfahrung hatte. „Kommen Sie einfach“, versicherte er mir. „Kommen Sie einfach auf die Wache und tun Sie, was wir Ihnen sagen.“ Meine Ausbildung zum Anwärter („probie“) hatte begonnen.

    Firefighting kit

    Die Ausbildung von Feuerwehrleuten bei der Freiwilligen Feuerwehr vollzieht sich im Dienst. Erfahrene Feuerwehrleute begleiten die Neulinge durch die ersten schwierigen Monate. Ich merkte schnell, dass ich selbst für einen Anfänger sehr langsam war. Meine Klassenkollegen wuchsen damit auf, Propantanks zu reparieren, Autos zu bauen und anderen praktische Probleme des Landlebens zu bewältigen. Ich wuchs in der Vorstadt auf, las historische Romane und spielte Pfarrerin. Als mich einmal jemand bat einen 5/16-Zoll-Steckschlüssel zu holen, war mir zunächst nicht klar, ob es sich dabei um ein Werkzeug handelte oder ob ich gerade auf den Arm genommen wurde. Wie bei den meisten Dingen kommt das Wissen über die Brandbekämpfung aus Büchern, während man sich die Weisheit im Feld erarbeiten muss. Mein erster Notruf erfolgte an einem Sommernachmittag, als ich allein in meinem Büro saß und an meiner Sonntagspredigt feilte. Ich starrte auf meinen neuen Pager, der blökend auf dem Schreibtisch herumsprang, während er vibrierte. Die Stimme des Disponenten meldete ein ausgebrochenes Buschfeuer und eine Adresse. Innerhalb weniger Augenblicke hatte ich die Kirche verschlossen und war die drei Blocks zur Feuerwache gefahren. Ich wusste nicht genau, was jetzt kommen würde. Ich hatte keinen Spind. Ich hatte keine Ausrüstung. Dank meiner jahrelangen Arbeit als Pastorin war es nicht das erste Mal, dass ich in eine riskante und seltsame Situation geriet, für die ich keine Erfahrung oder Vorbereitung hatte. Ich rannte in den Geräteraum und rief dem ersten Mann zu, den ich sah: „Ich bin neu! Wie kann ich helfen?“ Er verschwendete keine Zeit: „Hol’ dein Zeug und steig in den Wagen.“ Da ich nichts zu holen hatte, stieg ich einfach so ein. Einer der Feuerwehrleute warf mir einen Helm, eine Hose und ein Feuerwehrhemd zu. Ich zog alles an und steckte die zu lange Hose in die schlecht sitzenden Stiefel. Es melden sich oft eifrige Freiwillige, aber nur wenige bleiben wirklich dabei. Deswegen muss ein Feuerwehrmann einige Zeit dabei sein, bevor eine speziell auf ihn zugeschnittene Ausrüstung angeschafft wird. Die neuen Feuerwehranwärter müssen sich mit geliehener Ausrüstung begnügen – die meist nicht die richtige Größe hat. Das ist eine große Herausforderung, vor allem, wenn man wie ich, eine zierliche Frau ist.

    Als wir am Einsatzort ankamen, fanden wir einen verlegen dreinblickenden Mann vor, der mit einem Gartenschlauch auf dem Rasen stand. Hinter ihm brannte ein halber Hektar Garten, die Flammen übersprangen den groben Zaun und leckten schon an einer Reihe von Hecken. Der Frühling war in diesem Jahr trocken und das eigentlich verbotene Abbrennen eines Laubhaufens war schnell eskaliert.

    Frazier with two kids

    „Holt den Booster!“, rief jemand hinter mir, und ein Feuerwehrmann begann, einen langen, leuchtend gelben Feuerwehrschlauch von der Seite des Löschfahrzeugs zu entrollen. Ich versuchte zu verhindern, dass sich der Schlauch an Hindernissen verfing. „Was soll ich jetzt tun?“ fragte ich einen der älteren Feuerwehrmänner. Er sah mich freundlich an und antwortete: „Jetzt löschst du das Feuer!“ Und das taten wir dann auch.

    Im Juli halfen wir bei der Suche nach einem vermissten, älteren Mann mit Demenz. Wir suchten die ganze Nacht hindurch, fuhren durch Maisfelder und folgten Spürhunden durch die Wälder. Nach acht Stunden Suche fragte ein Feuerwehrmann den Einsatzleiter: „Wann gehen wir nach Hause?“ Dieser erwiderte: „Wir gehen erst, wenn wir fertig sind.“

    Da wurde mir klar, dass es zum ersten Mal in meinem Leben wirklich eine Rolle spielte, ob ich etwas zu Ende bringe. Es dauerte 15 Stunden, bis wir den vermissten Mann fanden, der verletzt, aber in stabilem Zustand, unter einem Laubhaufen schlief.

    Jeden Donnerstag trifft sich unsere Dienststelle für eine Sitzung und Schulung. Die Themen variieren: Buschbrandbekämpfung im Juli, Seile und technische Bergung im August, medizinische Notfälle im September, . . . Ich nehme jeden Donnerstag teil und freue mich über meine neu entdeckte Nützlichkeit. Nach ein paar Monaten fragt mein Chef, ob ich mich für die offizielle Feuerwehrausbildung an der örtlichen Fachhochschule anmelden möchte. Ich sage ihm nicht, dass der Termine dafür schon seit Monaten in meinem Kalender steht.

    Frazier in church

    Unsere kleine Station im Norden hat das Glück, einen Ausbilder gefunden zu haben, der den weiten Weg auf sich nimmt, um den Kurs zu leiten. Auf meine Frage nach den Kosten erfahre ich, dass meine Dienststelle nicht nur für die Ausbildung aufkommt, sondern wir Kursteilnehmer auch für jede Unterrichtsstunde bezahlt werden: 60 Stunden für die Grundausbildung, 30 weitere für die staatliche Zertifizierung und 20 Stunden um den Umgang mit gefährlichen Stoffen zu erlernen. Der Unterricht findet immer Montag und Mittwoch abends statt. Wir beginnen mit einigen chemischen Grundlagen, der Zusammensetzung und dem Verhalten von Feuer und der Geschichte der Feuerwehr selbst. Das 1.500 Seiten starke Lehrbuch führt uns durch Module zu Brandbekämpfung, gewaltsamen Eindringen, Wasserversorgungssystemen, Kommunikation, Suche und Rettung, persönliche Schutzausrüstung und Überleben bei der Feuerwehr. Samstags verlassen wir die Wache um sechs Uhr morgens, um zum Campus des Technical College in Green Bay zu fahren. Dort lernen wir, unsere Einsatzkleidung und das Atemschutzgerät in weniger als zwei Minuten anzulegen. Im dreistöckigen Brandturm führen wir Such- und Rettungsübungen durch. Die Ausbilder zünden Dinge an und wir arbeiten zusammen, um Puppen aus verqualmten Zimmern zu retten, deren Wände sich zu unserer Überraschung von Übung zu Übung verändern. Wir löschen Autos, Mülltonnen und Heuhaufen. An einem Samstag betreten wir eine spezielle Kammer, die eigens dafür konzipiert wurde, ein echtes Feuer zu erleben. Wir kriechen in eine pechschwarze Metallbox, und die Ausbilder zünden sie an. Rauch sinkt von der Decke herab, fast bis zum Boden, und wenn Sauerstoff zugeführt wird, explodieren die Rauchschichten mit vulkanischer Geschwindigkeit. Die Maske eines Feuerwehrmanns füllt sich mit Rauch und er springt kopfüber aus dem Anhänger. Die übrigen drücken ihre Gesichter in den Boden.

    Im Winter kämpfen die Feuerwehren Wisconsins ebenso oft mit Eis wie mit Feuer. Schneestürme stürzen Stromleitungen auf Bäume und Dächer und die Straßen sind mit unsichtbarem Eis überzogen. Mit zuverlässiger Regelmäßigkeit werden wir zu Verkehrsunfällen gerufen. Auch die Sanitäter werden mobilisiert, aber oft sind wir schneller vor Ort als sie. An einem Sonntag im November prallt ein Lastwagen am frühen Abend frontal gegen einen Baum. Innerhalb weniger Minuten fährt ein vierköpfiges Team von uns mit dem Rettungswagen aus der Station. Am Unfallort angekommen, finden wir ein weibliches Opfer eingeklemmt zwischen dem Lenkrad, aber ansprechbar. Der Einsatzleiter entfernt mit dem hydraulische Spreizgerät die Tür von dem zerquetschten Fahrzeug. Wir heben die Lenkerin behutsam aus dem Fahrzeug, wobei wir ihren Nacken und ihre Schultern stabilisieren. Meine Kollegen kümmern sich um den auslaufenden Diesel. Ich kämme Glasscherben aus dem Haar der Frau und halte ihre Hand.

    Später an diesem Wochenende setzt starker Schneefall ein und hört nicht mehr auf. Anrufe wegen umgestürzter Bäume und Leitungen kommen so schnell, dass wir sie nicht mehr von der Zentrale erhalten, sondern von unseren Feuerwehrkameraden an anderen Einsatzorten. „Wenn ihr in Woodcrest fertig seid, fahrt zum Strand.“ „Wenn ihr in Ridgeline fertig seid, fahrt nach Green.“ Unterwegs kommen wir an Autos vorbei, die in Gräben stecken, und halten an, um so vielen wie möglich zu helfen. Die Abendstunden dehnen sich bis in den frühen Morgen. Unsere Mannschaft wird losgeschickt, um einen Generator zu holen, der eine Sauerstoffpumpe für einen Mann betreiben soll, der vom Stromnetz abgetrennt wurde. Noch vor zehn Monaten wusste ich fast nichts über die Arbeit der Feuerwehr. Jetzt weiß ich, wo die Werkzeuge sind und wie man mit dem Auspuffrohr Eis von den Schlauchkupplungen schmelzen kann. Ich weiß, wie man Reifen ankettet, einen eingefrorenen Hydranten wiederbelebt und eine defekte Pumpe aus einem überfluteten Keller zieht.

    Ich weiß, wie man nachts um zwei Uhr lacht, wenn der Schneefall nicht nachlässt und uns der Schraubendreher immer wieder aus den gefrorenen Händen fällt. Mir kommt der Gedanke, dass sich der Pastorendienst in einer perfekten Welt so anfühlen würde: hohe Einsätze, demütige Herzen, getragen von einem unbedingten gegenseitigen Vertrauen. Wir gehen erst, wenn wir fertig sind.

    Von Brit Frazier Brit Frazier

    Brit Frazier ist Rektorin der St. Luke’s Episcopal Church in Sister Bay, Wisconsin.

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