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Im Jahr 2009 motivierte mich ein Freund, mit Leitern von Freikirchen ins Gespräch zu kommen. Eine Änderung der Religionsgesetze in Österreich stand bevor. So entstand eine Arbeitsgruppe zur staatlichen Anerkennung von Freikirchen. Im Jahr 2010 nahm mich nach einigen Sitzungen ein Leiter einer Vereinigung von evangelikalen Gemeinden in einer Pause zur Seite und fragte mich: „Warum hast du als Katholik diese Arbeitsgruppe ins Leben gerufen? Was bewegt dich dazu, zu diesen Sitzungen bis nach Wien zu fahren?“ Meine spontane Antwort war der Hinweis auf Joh 17,21 - Jesu Aufforderung für die Einheit der Christen zu arbeiten. Außerdem hatte ich die Erfahrung gemacht, dass meine freikirchlichen Geschwister in Österreich rechtlich Christen zweiter Klasse waren. Diese Benachteiligung sollte ein Ende haben. Jahrhunderte lang hat die katholische Kirche verkündigt, dass es „außerhalb der Kirche kein Heil“ gibt. Schritte zur Einheit der Christen bedeuteten damals mehr oder weniger, Menschen zurück zur katholischen Kirche zu bringen – ohne Alternative.
Da kamen nun einige katholische Universitätsprofessoren aus der katholischen Kommission Justitia et Pax – Gerechtigkeit und Frieden – mit der Idee, eine solche Arbeitsgruppe zu gründen, noch dazu mit dem Tagungsort in der katholischen theologischen Fakultät der Universität Wien. Die Arbeitsgruppe arbeitete mehr als drei Jahre. Sie konnte einen Vorschlag für das sogenannte Kultusamt entwickeln, der schließlich zur Anerkennung der Freikirchen führte. Der Name der Kommission, aus der die Initiatoren der Arbeitsgruppe kamen, kam damit zu Ehren: Gerechtigkeit ist eine wesentliche Voraussetzung für Frieden und für eine Versöhnung.
Ich bin in einem Dorf in Oberösterreich aufgewachsen. Im späten 16. Jahrhundert war dieses Land überwiegend evangelisch geworden, bis die Gegenreformation mit harten Schritten eine Re-Katholisierung einleitete. Unser Nachbardorf war eines der wenigen mit einer evangelischen Mehrheit. Meine erste Freundin damals war evangelisch. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, dass Schulkollegen mir damals sagten: „Weißt‘ eh, die ist evangelisch!“ Wenn ich Frieden will, muss ich mich mit meinem Gegner verständigen, muss ich mich mit ihm aussprechen. Das bedeutet: Ich muss mich aufraffen auf den anderen zuzugehen. Das heißt aber auch, die Wahrheit über geschichtliche Ereignisse muss auf den Tisch – ohne Abstriche, mit der Sicht von beiden Seiten, der der Verfolgten und der der Verfolger.
Meine Frau und ich haben uns intensiv mit der Geschichte der Reformation befasst. Das führte 2016 zu einer Gedenkfahrt des „Runden Tisches“ zu wichtigen Orten und Gedenkstätten der Reformation in Österreich. An jedem Ort wurden geschichtlichen Fakten vermittelt aber auch um Vergebung gebeten. Nun nahte das Gedenkjahr der 95 Thesen von Luther im Jahr 1517. Im Jahr 2011 kontaktierten uns Thomas und Amy Cogdell. Sie hatten die Spaltungen im Leib Christi in ihrem eigenen Leben erfahren. Amy war katholisch, Thomas gehörte einer Freikirche an. Sie hatten einen Traum, angestoßen durch prophetische Eindrücke: Die Vorbereitung eines großen Treffens von Christen verschiedener Denominationen in Wittenberg im November 2017. Thomas hatte schon 2010 in Wittenberg Räume reserviert. Wir waren uns zum ersten Mal 2010 bei einer Tagung des Antioch Networks in Antakya/Türkei begegnet, dem alten in der Bibel genannten Antiochien. Thomas und Amy hatten nur wenige Kontakte in Europa, meine Frau und ich dagegen durch unsere langjährige Leitungstätigkeit in der Charismatischen Erneuerung und beim „Runden Tisch“ sehr viele. Wir erhielten große Unterstützung durch die Fokolare-Gemeinschaft in Ottmaring, Trient und Rom, und durch die Jesus Bruderschaft in Volkenroda. Bei jedem Treffen stieg die Zahl der Teilnehmer, sowohl aus der evangelisch-lutherischen und der reformierten Kirchen, der anglikanischen und der katholischen Kirche, aus messianisch-jüdischen Gemeinden, der Pfingst Kirchen, als auch aus charismatischen Freikirchen. An allen diesen Orten wurden geschichtliche Fakten beleuchtet, darauf folgten Zeiten des Gebetes und der Buße. Schlimme Verfehlungen damaliger Kirchenführer wurden vor Gott gebracht.
Dann kam das große Abschluss-Treffen in Wittenberg im November 2017: Ein voller Saal, diesmal auch mit Vertretern der Kirchen, die aus der geistlichen Tradition der Täufer-Bewegung stammten, dem sogenannten 3. Strang der Reformation. Da kamen Bischöfe der Amish und der Mennoniten aus den USA sowie Vertreter der Bruderhof-Gemeinschaften – ein großartiges Geschenk für uns alle. Die Vergebungsbitten und die Schritte der Versöhnung haben uns alle tief bewegt. Nach diesem Abschluss in Wittenberg blieb uns Katholiken noch eine Last auf dem Herzen: Die Tatsache, dass der skandalöse Ablasshandel in den Jahren vor 1517 durch den Erzbischof von Mainz und den damaligen Papst nach unserem Wissen noch nie vor Gott gebracht worden war. Das führte zum Projekt Rom-Mainz, mit einem Bußgottesdienst in Matrei am Brenner in Österreich. Das Buch UNTRENNBAR gibt einen Überblick über das Projekt Wittenberg 2017 und das Projekt „Rom – Mainz“.

Das Buch UNTRENNBAR ist zu beziehen bei: GGE Verlag, 328 Seiten, mit vielen SW-Fotos. ISBN 987-3-9818340-6-2, Preis € 17.-
Dazu schrieb Gabriela Schubert, eine Leserin aus Wien:
Als Teilnehmende des in diesem Buch beschriebenen „Wittenberg-Prozesses“ muss ich eine gewisse Befangenheit eingestehen. Was dort geschehen ist, gehört zu den schönsten und tiefsten Erlebnissen meines geistlichen Lebens. Dem Buch gelingt es, diese Schönheit wiederzugeben. Eigentlich ist das erstaunlich, denn der Autor musste nicht nur jahrelange Prozesse auf ein paar wenige Seiten bringen, er ließ auch nicht weg, wenn etwas "menschelte" oder Konflikte und Missverständnisse mit sich brachte. Dabei gibt die deutsche Übersetzung den Geist der englischen Originalausgabe perfekt wieder. UNTRENNBAR ist ein überaus erbauliches Buch. Es zeigt, dass Einheit „nicht einfach vom Himmel“ fällt.