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Einheit im Licht der Auferstehung
Die Bedeutung von Ostern 2025.
von Tiran Petrosyan
Dienstag, 1. April 2025
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Im jahr 2025 feiern alle christlichen Kirchen das Osterfest am selben Tag. Diese seltene liturgische Übereinstimmung ist ein kraftvolles Zeichen der Hoffnung und Einheit in einer Welt, die oft von Spaltungen geprägt ist. Die gemeinsame Feier von Ostern erinnert uns daran, dass die Botschaft der Auferstehung Jesu Christi über alle Unterschiede hinweg Bestand hat und Christen weltweit miteinander verbindet. Diese Einheit ist nicht bloß ein äußerliches Symbol, sondern eine Einladung an alle Gläubigen, sich der tieferen geistlichen Realität bewusst zu werden: Die Kirche ist eine Gemeinschaft der Erlösten, vereint durch den Glauben an Christus, den Gekreuzigten und Auferstandenen.
Seit Jahrhunderten haben die unterschiedlichen Berechnungen des Osterdatums eine sichtbare Trennung innerhalb der Christenheit bewirkt. Während die westlichen Kirchen dem gregorianischen Kalender folgen, richten sich die orthodoxen Kirchen nach dem julianischen Kalender. Dies führte dazu, dass Ostern oft an unterschiedlichen Tagen gefeiert wurde – eine schmerzhafte Realität, die das sichtbare Zeugnis der Kirche für die Welt schwächte. Die Tatsache, dass 2025 alle Christen am selben Tag das höchste Fest des christlichen Glaubens begehen, ist daher ein bedeutsames Zeichen für die Sehnsucht nach Einheit. Diese Einheit darf jedoch mehr als nur eine kalendarische Gemeinsamkeit sein. Die gemeinsame Feier fordert uns dazu auf, unser christliches Zeugnis glaubwürdiger zu gestalten und die trennenden Barrieren zwischen den Konfessionen zu überwinden. In einer Welt, die von Konflikten, Spaltungen und Misstrauen geprägt ist, wird das gemeinsame Osterfest 2025 zu einem leuchtenden Zeichen der Hoffnung. Es zeigt, dass der gemeinsame Glaube an die Auferstehung Christi uns trotz aller Unterschiede zusammenführt. Dies ist eine Gelegenheit, liturgische Gemeinsamkeit zu erleben und zugleich Schritte zur echten Versöhnung zu wagen.

Daniel Bonnell, Pondering Angels on the Road to Emmaus, Öl auf Leinwand, 2024. Verwendet mit Genehmigung.
Ostern ist der Höhepunkt des christlichen Glaubens. Die Auferstehung Christi bedeutet den Sieg über den Tod sowie die Wiederherstellung der Gemeinschaft zwischen Gott und den Menschen. Doch dieser Triumph ist untrennbar mit dem Kreuz verbunden – mit dem erlösenden Leiden und der Aufopferung Christi für die Sünden der Welt. Durch sein Leiden und Sterben hat Jesus die Menschheit erlöst und die Tür zur Versöhnung mit Gott geöffnet. Der Prophet Jesaja kündigte dieses Opfer bereits an: „Er wurde durchbohrt wegen unserer Vergehen, wegen unserer Sünden zermalmt. Zu unserem Heil lag die Strafe auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt“ (Jesaja 53,5). Diese Worte offenbaren das tiefe Geheimnis der göttlichen Liebe, die sich in der Passion Christi manifestiert. Auch der große armenische Mystiker Gregor von Narek (+1003) beschreibt dieses Opfer in seinem Buch der Klagen: „Du hast dich selbst hingegeben, Du reines Lamm, als Opfer für die Welt, Du hast unser Elend getragen und unsere Wunden geheilt.“ Diese Worte laden uns ein, das Geheimnis der Sühne und der göttlichen Barmherzigkeit zu betrachten.
Die Auferstehung bildet das Fundament unseres Glaubens. Wie der Apostel Paulus schreibt: „Gibt es keine Auferstehung der Toten, so ist auch Christus nicht auferweckt worden. Ist aber Christus nicht auferweckt worden, so ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos“ (1 Korinther 15,13–14). Ohne die Auferstehung Christi gäbe es keine Hoffnung, keine Erlösung und keine Kirche. Diese Wahrheit hat auch eine ökumenische Dimension. Die Einheit der Kirche ist keine menschliche Konstruktion, sondern eine göttliche Berufung. Christus selbst betete in seinem hohepriesterlichen Gebet: „damit sie alle eins seien, wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, damit auch sie in uns seien“ (Joh 17,21). Das gemeinsame Osterfest erinnert uns an dieses Gebet und fordert uns auf, Brücken statt Mauern zu bauen. Doch diese Einheit wird erst vollkommen, wenn wir uns dem Kreuz Christi zuwenden und seine Opferliebe in unser Leben aufnehmen. Wahre Einheit beginnt in unseren Herzen, in der Bereitschaft zur Vergebung und zur echten Gemeinschaft, die über bloße theologische Übereinstimmungen hinausgeht.
Die gemeinsame Feier von Ostern im Jahr 2025 ist mehr als eine liturgische oder kalendarische Besonderheit; sie ist eine prophetische Gelegenheit.
Diese theologische Dimension der Einheit ist entscheidend, denn wahre Versöhnung setzt ein gemeinsames Verständnis des Evangeliums voraus. Die Kirchen sind eingeladen, sich nicht nur in der Feier, sondern auch in der theologischen Reflexion über die zentrale Bedeutung der Auferstehung zu vereinen. Historisch gesehen hat die Spaltung der Kirche oft mit theologischen und kulturellen Unterschieden zu tun gehabt, doch die gemeinsame Feier von Ostern kann Anlass geben, sich über das Wesentliche unseres Glaubens neu zu verständigen. Wie der heilige Athanasius betonte, ist die Auferstehung der Schlüssel zur Erlösung, und nur in ihr wird der tiefste Sinn der Inkarnation offenbar. Dies sollte uns ermutigen, den Weg des ökumenischen Dialogs mit neuer Entschlossenheit zu beschreiten, in der Hoffnung, dass die Einheit, die in der gemeinsamen Feier angedeutet wird, auch in einer tieferen theologisch-spirituellen Verständigung ihren Ausdruck findet.

Daniel Bonnell, The Road to Emmaus I, Öl auf Leinwand, 2014. Verwendet mit Genehmigung.
Die gemeinsame Feier von Ostern im Jahr 2025 ist mehr als eine liturgische oder kalendarische Besonderheit; sie ist eine prophetische Gelegenheit. Die Welt, in der wir leben, ist geprägt von Konflikten und Leid. Die Christenheit ist berufen, in dieser Welt als Botschafter der Versöhnung zu wirken. Gerade in Regionen, in denen Christen verfolgt oder marginalisiert werden, kann die Einheit in der Auferstehungsfeier ein starkes Zeichen der Solidarität und Hoffnung sein.
Für die Armenisch-Apostolische Kirche, eine der ältesten christlichen Traditionen, ist Ostern weit mehr als nur ein liturgisches Fest; es ist ein tiefgehendes spirituelles Erlebnis, das besonders in der tragischen Geschichte des armenischen Volkes eine herausragende Bedeutung hat. In einer Geschichte, die von Leid, Verlust und Verfolgung geprägt ist, bietet die Auferstehung Christi eine Quelle der Heilung und Hoffnung. Sie erinnert uns an die unerschütterliche Kraft des Lebens, die selbst den Tod überwindet. Diese heilende Kraft der Auferstehung wird für das armenische Volk zu einem symbolischen Zeichen der Erneuerung – eine Einladung, trotz aller Wunden und Entbehrungen in die Zukunft zu blicken und den Weg der Versöhnung und des Friedens zu gehen. Die Berufung zur Botschaft der Versöhnung wird durch die Auferstehung noch dringlicher, besonders in einer Welt, die nach Heilung sucht. Ostern ist ein Moment, in dem wir nicht nur an das Opfer Christi denken, sondern auch an die Möglichkeit, aus der Dunkelheit des Schmerzes zu einem neuen Leben zu finden, das von Demut, Hingabe und Dienst am Nächsten geprägt ist.
Möge dieses gemeinsame Osterfest uns inspirieren, Brücken zu bauen, Missverständnisse zu überwinden und gemeinsam Zeugnis für den lebendigen Christus abzulegen.
Es genügt nicht, Ostern am selben Tag zu feiern, wenn diese Einheit nicht auch in gelebter Gemeinschaft Ausdruck findet. Die Feier der Auferstehung sollte uns motivieren, uns intensiver für das zu engagieren, was uns als Christen verbindet: das Zeugnis des Evangeliums in Wort und Tat. Dies bedeutet, im Dialog zu bleiben, gemeinsame soziale Projekte zu fördern und uns füreinander im Gebet und in der Nächstenliebe einzusetzen. Einheit bedeutet nicht Uniformität, sondern die Fähigkeit, in unserer Vielfalt gemeinsam auf Christus zu schauen und seine Liebe in der Welt sichtbar zu machen. Junge Menschen sind oft offener für interkonfessionellen Austausch und können eine treibende Kraft für eine engere Zusammenarbeit der Kirchen sein. Bildungsprogramme, ökumenische Jugendtreffen und digitale Plattformen könnten dazu beitragen, das Bewusstsein für die Bedeutung der Einheit zu fördern und neue Brücken zwischen den Konfessionen zu bauen.
Möge dieses gemeinsame Osterfest uns inspirieren, Brücken zu bauen, Missverständnisse zu überwinden und gemeinsam Zeugnis für den lebendigen Christus abzulegen. Es ist mein Gebet, dass diese seltene Gelegenheit, Ostern vereint zu feiern, nicht nur ein einmaliges Ereignis bleibt, sondern ein Schritt auf dem Weg zu einer tieferen, geistlichen Einheit der Christenheit ist. Möge es uns dazu führen, die wahre Bedeutung des Leibes Christi zu erkennen, der über alle Grenzen hinweg eins ist.
Als Vorsitzender des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich wünsche ich Ihnen allen ein gesegnetes und friedvolles Osterfest.
Christus ist auferstanden – wahrhaft auferstanden!